Empfehlungen

Andreas Pflüger

- Niemals -

Gelesen von Nina Kunzendorf

 

Sie wollte nie wieder in ihre Sondereinheit zurückkehren – und momentan schon gar nicht. Soll sie trotzdem dem Drängen nachgeben? Will und kann sie das überhaupt? Jenny Aaron, die blinde Ausnahmepolizistin mit den überragenden Fähigkeiten, steht vor einer schweren Entscheidung, als sie erfährt, dass ausgerechnet ihr Todfeind ihr ein gigantisches Vermögen hinterlassen hat.  Diese Nachricht verändert alles, und als Aaron sich auf den Weg nach Marrakesch macht,  um mehr über diese ominöse Erbschaft in Erfahrung zu bringen, bricht die Hölle los. Sie trifft auf den gefährlichsten Mann der Welt, von dem viele glauben, dass er nur ein Mythos ist ...

Mit „Niemals“ hat Andreas Pflüger den zweiten Teil der Trilogie um die blinde Ermittlerin Jenny Aaron vorgelegt, aber das Buch ist weit mehr als eine bloße Fortsetzung.  Auch diesmal taucht Pflüger tief ein in die Welt seiner  blinden, klugen, kampferprobten und schönen Heldin und begleitet Jenny Aaron auf ihrem gefährlichen Trip von Berlin nach Nordafrika bis hin zum fulminanten Showdown in den Alpen. Dabei steht „Niemals“ seinem Vorgänger an Rasanz, Spannung und Action in nichts nach – ganz im Gegenteil. „Niemals“  hält, was der erste Teil verspricht. Er ist ein  atemberaubender Thriller der Extraklasse. Und wie der Kollege Tobias Gohlis von der Zeit anmerkt, ist Jenny Aron „besser als Bond“. Ich kann mich dem nur anschließen. Man darf sich also auf den dritten Teil freuen, wenn man sich vor lauter Spannung mal wieder die halbe Nacht um die Ohren schlägt.


Wie schon beim ersten Teil der Geschichte findet Nina Kunzendorf auch in „Niemals“ genau den richtigen Ton. Ihre nuancenreiche, eindringliche Interpretation zieht den Hörer unmittelbar in die Geschichte. Egal ob Actionszene oder tiefe Gemütsbewegung – alles findet ohne großes Pathos seinen stimmlichen Ausdruck.  Auch diesmal wieder – Chapeau!

 

Die ungekürzte Lesung ist bei Random House Audio erschienen.
2 mp3-CDs
Laufzeit: 11 Std. 11 Min.
Preis: € 15,95


Das gebundene Buch ist im Suhrkamp  Verlag erschienen.
Seiten: 473
Preis: € 20,00

 
Eine Rezension von Liliane Mika
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Andrea Camilleri

- Der Zweite Kuss des Judas -

Gelesen von Bodo Wolf


Ist es ein Werk des Teufels, das eines religiösen Fanatikers, ein Fall von Gedächtnisschwund, oder hat sich einfach nur ein Schuldner seines Gläubigers entledigt? Theorien und Phantasien gibt es viele, als am Karfreitag des Jahres 1890 der Bankdirektor des sizilianischen Küstenstädtchens Vigata während der Aufführung eines Passionsspiels verschwindet. Er hat den Judas verkörpert und ist nach seinem Abgang von der Bühne wie vom Erdboden verschluckt. Die wochenlange Suche fördert manches zu Tage, was besser im Verborgenen geblieben wäre, und die Wahrheit über das Verschwinden ist bei weitem nicht allen genehm ...

Schon in den diversen Montalbano-Krimis hat Camilleri seinen Sinn für Komik und seinen Blick für die Absurditäten des Alltags unter Beweis gestellt. Seine genüsslichen Darstellungen des Unsinns politischer Entscheidungen, der Lächerlichkeit von  Amtsträgern sowie menschlicher Eitelkeit und Dummheit ziehen sich durch sein Werk;  aber mit dem „Zweiten Kuss des Judas“ ist ihm wahrlich ein Kabinettstückchen gelungen. Hier werden Hierarchien, Korruption, Vetternwirtschaft, Liebedienerei, kriminelle Strukturen, Heuchelei und Frömmelei gleichermaßen scharf aufs Korn genommen, und was dabei herauskommt ist kluge Komik vom Feinsten. Selten hat ein Krimi so viel Spaß gemacht.


Der Schauspieler und Sprecher Bodo Wolf entfaltet auch diesmal wieder seinen Sprachwitz und sein komödiantisches Talent. Jede Pointe sitzt und die Virtuosität des Vortrags erfasst jede Nuance des Textes. Vor den Ohren des Zuhörers wird ein wahres Feuerwerk entfacht.  

 

Das Hörbuch in Originalfassung ist bei Lübbe Audio erschienen.
4 CDs
Laufzeit: 281 Minuten
Preis: € 20,00


Eine Rezension von Liliane Mika
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M.C. Beaton

- Agatha Raisin und der tote Richter -

Gelesen von Julia Fischer


Wer denkt denn schon an so was? Sie wollte doch nur einen Kochwettbewerb gewinnen - na gut, sie hat geschummelt und der Betrug mit der gekauften Quiche war vermutlich nicht ganz ok - aber jetzt soll sie angeblich den Preisrichter mit der Quiche vergiftet haben - Also wirklich! Das geht zu weit! Das kann man nicht auf sich sitzen lassen - vor allem wenn man im Dorf als neu Zugezogene nicht ganz das Gesicht verlieren will - da bleibt einem ja fast nichts anderes übrig, als den Täter selbst zu ermitteln. Die Aufklärung allein der Polizei zu überlassen, geht gar nicht, auch wenn man als ehemalige PR-Agentin so gar keine Ahnung von der Detektivarbeit hat.

„Agatha Raisin und der tote Richter“ ist der Auftakt einer Krimireihe von M.C. Beaton die bis jetzt acht Bände umfasst und auch bereits verfilmt wurde. Im Mittelpunkt dieser mit viel britischem Humor gespickten Krimis steht die exzentrische, temperamentvolle, neugierige und sehr erfolgreiche PR-Agentin Agatha Raisin. Sie hat ihre Agentur verkauft, der Hektik in London den Rücken gekehrt und will nun als wohl situierte Mittfünfzigerin ihren vorzeitigen Ruhestand in einem Cottage in den malerischen Cotswolds verbringen. Dabei hat sie allerdings nicht bedacht, wie schwer es ist, in eine dörfliche Gemeinschaft integriert zu werden - vor allem wenn man so ganz anders tickt als die übrigen Dorfbewohner. So stolpert sie zu Beginn von einem Fettnapf in den nächsten und während sich die Peinlichkeiten häufen, lernt sie mühevoll, die neuen Spielregeln zu akzeptieren und ihr Privatleben neu zu beleben. Ganz nebenbei löst sie, sehr zum Leidwesen der Polizei, einen Mordfall nach dem anderen - natürlich nicht ohne den einen oder anderen Zwischenfall.
Die Agatha Raisin-Reihe ist leichte Krimikost vom Feinsten. Humorvoll, entspannt und spannend - genau die richtige Urlaubslektüre.
Allerdings ist zu empfehlen, die Krimis in chronologischer Reihenfolge zu hören, da in jedem Band die Entwicklung der Hauptfigur fortgeschrieben wird.
(Die Reihe lautet:  Agatha Raisin und - der tote Richter - der tote Tierarzt - die tote Gärtnerin - die Tote im Feld - der tote Ehemann - die tote Urlauberin - der Tote im Wasser - der tote Friseur.)

Die Interpretationen  von Julia Fischer passen ausgezeichnet zu dieser Krimireihe. Das angenehme Timbre ihrer Stimme und die feine Nuancierung machen die skurrilen und komischen Abenteuer Agatha Raisins zu einem Hörgenuss.


Die Hörbücher der Reihe sind im Lagato Verlag erschienen.
Preis:  € 9,90 und  €15,90

Die Bücher der Reihe sind bei Bastei Lübbe erschienen.

Eine Rezension von Liliane Mika
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Ian McEwan
- Nussschale -
Gelesen von Wanja Mues


Das Setting ist klassisch: Vater, Mutter, Kind, Onkel – Mordkomplott. Aber was nach dem ewig gleichen Spiel von Leidenschaft, Verrat und Mord klingt, entpuppt sich als völlig neue Geschichte. Denn wie reagiert ein Kind im Mutterleib, das Ohrenzeuge des Mordkomplotts gegen seinen eigenen Vater wird? Wie geht es um mit dieser mörderischen Familienkonstellation, in der es Opfer und ungewollter Mitwisser zugleich ist. Hamlet mal ganz anders...

„Nussschale“ ist eine eindringliche, faszinierende Geschichte; überraschend, verstörend, fesselnd und philosophisch. Die Welt aus der Perspektive eines Fötus zu betrachten, eröffnet McEwan weitreichende literarische Freiheiten. Der Fötus ist, gegen alle Erfahrungen, nämlich kein hilfloses Geschöpf, sondern eine Intelligenz-Bestie; vollgestopft mit absolut unkindlichem Wissen, das größtenteils aus Radiosendungen stammt, die seine schlafgestörte Mutter Nacht für Nacht hört. Er weiß alles über die politische Lage; kennt sich bestens in Kultur, Geschichte, Wissenschaft und Psychologie aus und baut sich daraus seine eigene Sicht auf die Welt. Und während die Erwachsenen um ihn herum von Habsucht, Neid, Selbstsucht, Gier und Hass getrieben werden, scheint das ungeborene Kind das einzige Wesen mit intakten Moral- und Wertvorstellungen zu sein. Kenntnisreich und schonungslos reflektiert, analysiert und kommentiert es die prekäre Weltlage und rechnet erbarmungslos mit den miesen Charaktereigenschaften seiner zukünftigen Familie ab. Neben diesen Einlassungen kommt aber auch der Krimiplot nicht zu kurz, denn immerhin handelt es sich hier um einen geplanten Mord und den Versuch, sich ein millionenschweres Erbe unter den Nagel zu reißen.

Sprachlich virtuos und ausgeklügelt konstruiert gehört „Nussschale“ fraglos zu den Romanen McEwans, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Leicht, voller Ironie, mit schrägem Humor und hin- und hergerissen zwischen blankem Pessimismus und zögerlichem Optimismus widmet sich der Autor ganz existenziellen Fragen – aus der Sicht eines altklugen Fötus’.

Die eindringliche Interpretation von Wanja Mues zieht den Hörer vom ersten Moment in  den Bann. Denn hier ist weniger mehr. Ohne großes Pathos findet alles seinen adäquaten Ausdruck, und der Hörer kann jede Nuance der virtuosen Sprache genießen.
Wunderbar!

 

Die ungekürzte Lesung ist im Diogenes Verlag erschienen.
5 CDs
Laufzeit: 340 Min.
Preis: €25,00

Das  gebundene Buch ist ebenfalls bei Diogenes erschienen.
Seiten: 288
Preis: € 22,00


Eine Rezension von Liliane Mika
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Donna Leon
- Stille Wasser -
Commisario Brunettis 26. Fall
 Gelesen von Joachim Schönfeld

Auch ein Commissario vom Kaliber Brunettis braucht einmal eine Auszeit. Offiziell ist es ein akuter Schwächeanfall, der Brunetti zwingt, kürzer zu treten. In Wahrheit aber haben der Stress und die Frustrationen seines Berufsalltags ihn zermürbt und nun will er sich in der ländlichen Idylle der Lagune erholen. In der luxuriösen Villa einer Verwandten seiner Frau hofft er die nötige Ruhe zu finden. Und alles könnte so schön und friedlich sein, käme ihm da nicht die Leiche des Hausverwalters der Villa in die Quere. Der wird nach einem Gewitter tot aufgefunden und die Frage, ob es sich um Unfall, Selbstmord oder sogar Mord handelt, lässt den Commissario nicht ruhen – und anstatt sich zu erholen, ist er schon wieder mittendrin...

Es gibt nicht viele Krimi-Helden, die auf eine so lange Karriere zurückblicken können. In diesem Jahr feiert der venezianische Commissario Brunetti sein 25-jähriges Dienstjubiläum. Alle Jahre wieder musste er gegen Mörder, Rauschgifthändler, Kinderschänder, Zuhälter, korrupte Politiker und Beamte und nicht zuletzt Umweltverbrecher antreten – und das nur mit mäßigem Erfolg. Denn nicht selten steckten die Reichen und Mächtigen der Stadt hinter den Verbrechen und konnten sich einer gerechten Strafe entziehen. Und seit 25 Jahren greift Donna Leon nicht nur politische und gesellschaftsrelevante Themen in ihren Krimis auf, sondern breitet auch die Probleme des tourismusgeplagten Venedig und das Privatleben des Commissarios vor dem Leser aus. Das ist auch diesmal nicht anders. Mit „Stille Wasser“ serviert Donna Leon einen neuen Brunetti in alt bewährter Manier. Diesmal geht es um das weltweite Bienensterben und die unabsehbaren Folgen für die Ernährung der Menschheit. Und wenn man die anfangs allzu langen Beschreibungen hinter sich gelassen hat, ist „Stille Wasser“ solide Krimikost – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Auch der Interpret Joachim Schönfeld  ist alt gedient. Bereits zum fünften Mal liest er einen Brunetti-Krimi in alt bewährter Manier. Das angenehme Timbre seiner Stimme und seine unaufgeregte Interpretation passen sehr gut zu der Atmosphäre des Romans.  

Die ungekürzte Lesung  ist bei Diogenes erschienen.
8 CDs
Laufzeit: 577 Min.
Preis: € 25,00

Auch das gebundene Buch ist im Diogenes Verlag erschienen.
352 Seiten
Preis: € 24,00

Eine Rezension von Liliane Mika
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Takis Würger

- Der Club -

Gelesen von Anna Maria Mühe, Matthias Koeberlin und anderen


Boxen kann die ganze Welt bedeuten, zumal wenn es der einzige Weg ist, in Kontakt mit Menschen zu treten. Der emotional gehemmte Hans Stichler ist ein leidenschaftlicher Boxer. Seit dem frühen Tod seiner Eltern muss er sich allein in der Welt behaupten; die einzige Unterstützung erfährt er von einem Mönch in seinem Internat. Deshalb ist er sehr überrascht, als seine Tante Alex plötzlich wieder in seinem Leben auftaucht und ihm ein Stipendium für die Universität Cambridge anbietet ? freilich nicht ohne Hintergedanken. Seine Boxleidenschaft soll ihm Zutritt zu dem legendären Pitt Club verschaffen, um dort einem Verbrechen auf die Spur zu kommen. Hans nimmt an, ohne zu ahnen worauf er sich einlässt. Denn in dem elitären Club, in dem sich die junge britische Oberschicht tummelt, gibt es bei weitem nicht nur gezielte Schläge auf zu hoch getragene Näschen...
 
Obwohl fast kein Thema des urbanen Zeitgeistes fehlt, ist Takis Würgers Epos nicht in die gängigen Genres einzuordnen. Er ist weder ein Campus? oder Oxbridgeroman noch ein High Society Krimi. Vielmehr ist er eine Kombination aus Entwicklungsroman, spannendem Krimi und Liebesgeschichte. Im „Club“ beschreibt Würger die hermetisch abgeriegelte Welt eines Männerbundes und den enormen Druck den die Mitglieder dieser Gruppe aufeinander ausüben. Es geht um Initiationsrituale, Dominanz, Narzissmus, Wohlstandsverwahrlosung, Demonstration von Macht und Gewalt, Kontrollverlust und Vergewaltigung. Und es geht vor allem darum, wie weit jeder Einzelne bereit ist zu gehen, um weiter dazu zu gehören. Das Ergebnis ist erschreckend. Würger erzählt von den menschlichen Abgründen, die sich bei den jungen Schnöseln der sogenannten Elite auftun und die ob ihrer Drastik den Atem stocken lassen. Die Ungeheuerlichkeit dieser Vorgänge wird noch durch die Sprache des Romans unterstrichen. Sie ist schlicht und schnörkellos und die Ansprechhaltung ist die eines Reporters, der die Dinge beschreibt ohne sie werten. So entlarven sich Figuren quasi selbst durch ihre Handlungen und der Kniff, die Geschichte aus der Perspektive verschiedener Figuren zu erzählen, macht das Szenario sehr lebendig. Insgesamt ein sehr gelungener Debütroman, dessen Ende eher versöhnlich stimmt.

Die szenische Lesung greift die Erzählstruktur der Geschichte auf und ist deshalb für diesen Roman wie geschaffen. Anna Maria Mühe, Mathias Koeberlin und den anderen Sprechern gelingt es mühelos, die Figuren des Romans lebendig werden zu lassen und den Hörer mitzunehmen in eine Welt, die eher von der Faszination des Grauens, denn von Luxus und Schönheit geprägt ist. Mit der Lesung ist eine wunderbare Umsetzung der Geschichte geglückt.


Die ungekürzte Lesung ist bei Headroom Sound Production erschienen
5 CDs
Laufzeit: 5 Std. 41 Min.
Preis: € 21,99


Die gebundene Ausgabe des  Buches ist im Kain & Aber Verlag erschienen
Seiten: 240
Preis: € 22,00


Eine Rezension von Liliane Mika
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Gabriel Garcia Marquez

- Hundert Jahre Einsamkeit -

Gelesen von Ulrich Noethen

 

Das Dorf Macondo erscheint wie ein Paradies.  Friedlich und still. Abgeschnitten vom Rest der Welt – von Sümpfen, Urwald und undurchdringlicher Sierra umgeben – ist es ein Mikrokosmos, in dem sich alles fokussiert. Der Ort, in dem sich alle Träume und Albträume der Menschheit zu wiederholen scheinen. Der Ort des Aufstiegs und Niedergangs der Familie Buendia, die Macondo einst gegründet hat.

'Das Leben ist nicht das, was man gelebt hat, sondern das, woran man sich erinnert und wie man sich daran erinnert – um davon zu erzählen', so  lautet das Motto der Memoiren von Gabriel García Márquez – und es ist zugleich auch das Credo seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Persönliche Erfahrungen, gesellschaftliche und politische Gegebenheiten und geschichtliche Zusammenhänge werden zu einem großen Ganzen verwoben. Dabei pendeln seine Geschichten zwischen Realität, Traum, Mythos und Phantastik. In 'Hundert Jahre Einsamkeit' erzählt García Márquez exemplarisch anhand des Aufstiegs und Niedergangs der Familie Buendia die Geschichte Kolumbiens. Es geht um die Alte und die Neue Welt, um Vergangenheit und Gegenwart und um grundlegende menschliche Verhaltensweisen und Erfahrungen, mit denen sich jeder Leser identifizieren kann.

Für den Roman, der in  35 Sprachen übersetzt und mehr als 30 Millionen Mal verkauft wurde, erhielt  García Márquez 1982 den Literaturnobelpreis.

Jetzt ist dieser moderne Klassiker der Weltliteratur zum Jubiläum der Erstausgabe zum ersten Mal als Hörbuch erschienen, und Ulrich Noethen liest es perfekt.  Seine facettenreiche Interpretation erfasst mühelos die unterschiedlichen Erzählebenen des Romans – seine Opulenz, aber auch seine Lakonik und Poesie. Ein wahrer Ohrenschmaus.


Die ungekürzte Lesung ist  bei HörbuchHamburg  erschienen.
14 CDs
Laufzeit: ca. 1050 Min.
Preis:  € 29,00 (unverb. Preisempf.)

Eine Rezension von Liliane Mika
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Jane Austen

- Northanger Abbey -

Gelesen von Fritzi Haberlandt

 
Wohlbehütet aufgewachsen kennt die junge Catherine Morland das gesellschaftliche Leben und die Liebe nur aus der Literatur. Als sie bei einem Aufenthalt in Bath den charmanten Henry Tilney kennenlernt und von seiner Schwester auf den Familiensitz Northanger Abbey eingeladen wird, spielt ihr ihre blühende Phantasie üble Streiche. Angeregt durch ihre geliebten Schauerromane glaubt sie in der alten Abtei einem schaurigen Familiengeheimnis auf die Spur gekommen zu sein ...

In „Northanger Abbey“ beweist  Jane Austen, die weltberühmte Autorin von „Stolz und Vorurteil“, einmal mehr ihren Sinn für Ironie und den Spaß an Satire. Der Roman, der kurz nach ihrem Tod 1817 erschien, ist eine Persiflage auf die beliebten Schauerromane, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Leser begeisterten. Gleichzeitig ist er die einfühlsame und humorvolle Schilderung des Alltags einer jungen Frau, die sich allmählich von ihren kindlich-naiven Vorstellungen löst und die Spielregeln auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten begreift.  


Fritzi Haberlandt trifft  genau den richtigen Ton zwischen Ironie und Naivität. Ihre feine Nuancierung macht den perfiden, heuchlerischen Charakter mancher Figuren ebenso deutlich wie das unschuldig naive Naturell der Heldin. Einfach gut.


Die gekürzte  Lesung  ist bei Random House  Audio  erschienen.
6 CDs
Laufzeit: ca 389 Min.
Preis:  € 12,99


Die Taschenbuchausgabe ist bei dtv erschienen.
288 Seiten
Preis: € 12,00

 

Eine Rezension von Liliane Mika
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Maguerite Duras

- Der Liebhaber -

Hörspiel mit Dagmar Manzel, Nina Kunzendorf, Paula Beer und Alexander Fehling


„Du wirst dich dein Leben lang an diesen Nachmittag erinnern, selbst wenn du mein Gesicht, meinen Namen vergessen hast“. Und es wird ein unvergesslicher, überwältigender Nachmittag in diesem abgedunkelten Zimmer Mitten in Saigon, in dem sich die französische Halbwaise und der junge Chinese aus reichem Elternhaus zum ersten Mal lieben. Das Zimmer wird ihre Zuflucht – ein Ort an dem sie ihre unmögliche Liebe leben können – ein Bollwerk gegen die Gewissheit, dass ihre Liebe keine Zukunft hat. Denn in den Dreißigerjahren herrschen in der französischen Kolonie in Indochina strenge Regeln und auch die ortansässigen Chinesen würden eine solche Verbindung niemals dulden...


Dieser weltberühmte Roman von Maguerite Duras trägt viele autobiographische Züge. Sie verbrachte die ersten 18 Jahre ihres Lebens im heutigen Vietnam und in Gedanken kehrt die Schriftstellerin an den Ort ihrer Kindheit zurück. Als Frau in mittleren Jahren erinnert sie sich an die Fähre über den Mekong, auf der sie ihren chinesischen Liebhaber zum ersten Mal trifft. An ihre verbotenen sexuellen Erkundungen, die eine Rebellion gegen die familiären Machtspiele und die erstickende Enge gesellschaftlicher Konventionen sind. An die emotionale Dürre in ihrer Familie, die durch das Scheitern von Lebensträumen geprägt ist – und an die Rolle, die ihr Liebhaber für sie damals wirklich spielte. Ein eindringlicher, großartiger Roman voller Erotik und ungeschminkter Realität, voller Scheitern, aber niemals pathetisch.


Jetzt gibt es diesen Roman erstmals als Hörspiel. Die Produktion des Südwestrundfunks hat bekannte Schauspieler wie Dagmar Manzel, Nina Kunzendorf, Paula Beer und Alexander Fehling vors Mikro geholt und das Ergebnis kann sich in der Tat hören lassen. Ein großartiger Roman und eine gelungene Hörspieladaption – was will man mehr.

 

Das Hörspiel ist bei HörbuchHamburg erschienen   

1 CD
Laufzeit: ca. 83 Min.
Preis: € 14,00


Eine Rezension von Liliane Mika
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Martin Suter
- Elefant -
Gelesen von Gert Heidenreich


Der Obdachlose Schoch traut seinen Augen nicht, als er in seiner Schlafhöhle plötzlich einen rosaroten Mini-Elefanten entdeckt, der aussieht wie ein Spielzeug,  im Dunkeln leuchtet, und sich bewegt. Doch was der Alkoholiker Schoch zunächst für die ersten Anzeichen eines schweren Deliriums hält, entpuppt sich als Experiment, das der skrupellose Genforscher Roux durchgeführt hat.  Mit dem rosaroten Mini-Elefanten ist ihm der große Durchbruch gelungen. Er soll ihm Reichtum und wissenschaftlichen Ruhm bescheren und seine chinesischen Geldgeber zufrieden stellen. Umso entsetzter ist Roux, als der kleine Elefant plötzlich verschwindet. Denn da gibt es einige Menschen, die von dem seltsamen Wesen ganz fasziniert sind und es vor skrupellosen Geschäftemachern wie Roux beschützen wollen. Damit ist die Jagd nach dem Kleinwild  
eröffnet...

Die eigentliche Idee für diesen Roman stammt von einem Hirnforscher. Er erzählte Suter vor mehr als 10 Jahren, dass es gentechnisch möglich sei, einen winzigen rosaroten Elefanten zu erzeugen. Eine Vorstellung, die Suter nach eigenem Bekunden seither nicht mehr losließ und deren literarische Umsetzung ein neues Genre geschaffen hat. Eine Mischung aus Krimi, Märchen und Science Fiction. Dabei wird das leuchtende zwergwüchsige rosa Wesen von Suter sehr einfühlsam, man könnte sagen, fast zärtlich beschrieben. Der kleine Sabu verzaubert fast alle, die mit ihm in Berührung kommen und macht aus ihnen bessere bzw. einfühlsamere Menschen. Er erinnert daran, dass alle Lebewesen egal ob Mensch, Tier oder Pflanze mit Respekt behandelt werden sollten und die Zukunft nicht einfach skrupellosen Gentechnikern überlassen werden darf. Dabei ist die Geschichte nie moralinsauer. Suters Stil ist deskriptiv. Er beschreibt,  aber er wertet nicht, und liefert dank genauer Recherche detaillierte Einblicke in die Welt der Gentechnik, in das Milieu obdachloser Alkoholiker und vom Aus bedrohter Zirkusleute, und das der Superreichen auf dem Zürich-Berg. Die Spannung kommt dabei nicht zu kurz, denn „Elefant“ ist nicht zuletzt auch Krimi mit allem, was dazu gehört: Bösewichte, Intriganten, Tote und Verfolgungsjagden. Alles in allem wieder einmal ein gelungener Suter.

Auf gewohnt hohem Niveau ist auch die Interpretation von Gert Heidenreich. Seine  sonore Stimme und der distanzierte Plauderton lassen die Szenen lebendig werden und verleihen ihnen Authentizität.  Ohne großes Pathos werden so die anrührenden Momente noch anrührender und die Gemeinheiten noch ein Stück gemeiner. Großartig!
 

Die ungekürzte Lesung von „ Elefant“ ist bei  Diogenes erschienen.
6CDs
Laufzeit:  468 Min.
Preis: 25,00€

Die gebunden Ausgabe des Buches ist auch bei Diogenes erschienen.
352 Seiten
Preis 24,00 €


Eine Rezension von Liliane Mika
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Ann Patchett
- Die Taufe -

Eine Zufällige Begegnung in den fünfziger Jahren, erschüttert zwei Familien in ihren Grundfesten.

Hätte Bert Cousins  nicht seinen Freund zur Taufe der kleinen Franny Keating begleitet, hätte er Frick Keating nicht den Gefallen getan, den Täufling zu suchen, wäre er nicht in der Stille des Kinderzimmers Beverly Keating begegnet. Hätten die beiden sich dort nicht geküsst, wären nicht zwei Familien zerbrochen.
Aber alles ist genau so passiert und sechs Kinder aus zwei Familien müssen fortan ihre Sommer miteinander verbringen, ob sie wollen oder nicht.
Sie schlängeln umeinander her wie in einem Schlangennest, aber sie entwickeln dadurch auch stetige Zuneigung füreinander und gehen somit ein dauerhaftes Bündnis ein.
20 Jahre später erzählt  Franny, dem von ihr veehrten Schriftsteller Leo Posen ihre Familiengeschichte. So kommt es, dass ihre Kindheit die Vorlage für den sehr erfolgreichen Roman „Die Taufe“ wird.
Alles wird durch die plötzliche Öffentlichkeit, in die die Familie gezogen wird, neu zusammengesetzt und die inzwischen erwachsenen Geschwister müssen neue Definitionen für Loyalität und Zusammengehörigkeit finden.

Ann Patchett ist wieder einmal ein wahrlich gutes Buch gelungen.
Nach „Bel Canto“ und „Fluss der Wunder“ mit einem ganz anderen, aber nicht neuen Thema, ungewöhnlich perspektivisch erzählt und spannend bis zum Ende.

400 Seiten / 22,00 € / GEB / Berlin Verlag

Ulrike Baumgart

 

Lisa Stromme
- Das Erdbeermädchen -

Wie jedes Jahr bereiten sich die Bewohner des kleinen norwegischen Dorfes Asgardstrand auch
in diesem Jahr auf ihre illustren Sommergäste vor.

Die junge Erdbeersammlerin Johanne verbringt den Sommer mit Ihren Eltern und ihrem Bruder beengt in einem Haus am Strand, da ihr Wohnhaus für den Maler Hans Heyerdahl zur Verfügung stehen soll.
Dieser porträtierte Johanne in ihren Kinderjahren und seitdem fühlt sich die Familie dem Maler in besonderem Maße verbunden.
Der Sommer 1893 wird für Johanne Veränderungen bringen, sie soll der Familie des Admirals Ihlen mit den beiden Töchtern als Hausmädchen dienen.

In Tullik, der jüngeren der beiden, findet Johanne eine Seelenverwandte ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Stellungen.
Beide, impulsiv und wild,  suchen die Nähe des jungen, geächteten Edvard Munch, der am Rande des Ortes in einem kleinen Haus seine dunklen Bilder malt.

Als Tullik eine Affäre mit dem jungen Maler beginnt, drohen die Freundschaft und der bürgerliche Friede in dem kleinen Asgardstrand zu zerbrechen.

Eine wunderbare Sommergeschichte, die sich herrlich schmökerisch verzehren lässt und einen kleinen (fiktiven)  Einblick in das Leben der Maler Edvard Munch und Hans Heyerdahl gewährt.

352 Seiten / 10,99 € / KT / Heyne Verlag

Ulrike Baumgart

 

Connie Palmen

- Du sagst es -

Sie war eine Ikone der Frauenbewegung – er wurde von ihren Anhängerinnen als der Schuldige für ihren Selbstmord dargestellt. Sylvia Plath und Ted Hughes waren zu Zeiten ihrer Ehe und auch danach ein Paar, das die Aufmerksamkeit auf sich zog. Viel ist darüber geschrieben worden. Als allererstes natürlich von Sylvia Plath selbst.
Ted Hughes hat sich zeit seines Lebens nie zum Selbstmord seiner Frau geäußert. Er verwaltete stoisch den Nachlass und gedachte seiner Frau literarisch mit den 1998 veröffentlichten „Birthday Letters“. Diesen Gedichtzyklus von 88 Gedichten, adressiert an die Tote, immer noch verehrte Sylvia Plath nimmt Connie Palmen nun als Quelle, um diese viel erzählte Liebesgeschichte noch einmal zu erzählen und Ted Hughes eine Stimme zu geben.
„In einer Liebe trägt nie nur einer die Schuld“, sagt die Autorin und das macht sie mit diesem Roman mehr als deutlich. Einfühlsam nähert sie sich den beiden Protagonisten und schildert deren Schicksal in einer wunderschönen, poetischen Sprache, die das Glück und die Verletzungen sichtbar macht.
Ein Buch für alle, die schöne Sprache schätzen, in der Schönheit und Tragik der Liebe schwelgen und das Schicksal der Sylvia Plath einmal aus einem anderen Blickwinkel betrachten möchten.

Das gebundene Buch ist im Diogenes Verlag erschienen.

288 Seiten / Preis: 22,00 €

Christine Schlagloth

 

Jonas Maas

- Oscar Wilde & Mycroft Holmes -

Sonderermittler der Krone

'Zeitenwechsel'

Er hat wahrlich ein ausschweifendes Leben geführt, doch von einem Tag auf den anderen findet es ein abruptes Ende. Als der Schriftsteller Oscar Wilde im Frühjahr 1895 verhaftet wird, steht er vor den Scherben seines bisherigen Lebens. Ihm droht nicht nur ein skandalöser Prozess, sondern auch eine langjährige Haftstrafe oder die Irrenanstalt. In dieser Situation taucht ein Fremder in seiner Zelle auf, der ihm ein Angebot macht, das er schwerlich ablehnen kann. Entweder er verschwindet auf Nimmerwiedersehen hinter Zuchthausmauern, oder er betätigt sich als Sonderermittler der Krone. Schweren Herzens willigt Wilde ein und muss bald feststellen, dass es sich bei dem Fremden um niemand anderen handelt, als um Mycroft Holmes – den Bruder des berühmten Meisterdetektives. Gemeinsam nehmen die beiden die Ermittlungen in ihrem ersten Fall auf – und der hat es wirklich in sich. Ein zu allem entschlossener Gegner will England und die Monarchie zerstören.

Es ist ein sehr ungewöhnliches Paar, das der Autor Jonas Maas auf Verbrecherjagd schickt. Wilde ist wortgewandt, klug, süffisant und alles andere als ein angepasster Zeitgenosse – Holmes das genaue Gegenteil. Vaterlandstreu, steif, sehr beherrscht und kühl verkörpert er den Briten schlechthin. Aber gerade die Gegensätze zwischen dem berühmten Schriftsteller und dem Bruder des großen Sherlock Holmes machen den Reiz dieses Duos aus und die Dialoge des Hörspiels so lebendig. Die gute Dramaturgie und die dichte Atmosphäre tun ein Übriges und lassen die Geschichte wie einen Film vor dem geistigen Auge ablaufen. Allerdings sind manche Szenen recht drastisch und zart besaitete Gemüter sollten sich wappnen. Alles in allem ist das Hörspiel aber sehr spannend und hörenswert, und man kann sich gleich auf die nächste Folge freuen. Denn der Fall wird zwar gelöst, aber dennoch ist das eigentliche Problem nicht beseitigt.

Die beiden Hauptsprecher, Sascha Rotermund als Wilde und Rennt Reins als Holmes, erweisen sich als ein echter Glücksgriff. Sie treffen genau den richtigen Ton und verleihen ihren Figuren den nötigen Tiefgang. Die Spreche von Holmes ist aristokratisch, mit dem richtigen Schuss Arroganz – die von Wilde ironisch, süffisant und frech. Seine Sprüche sind das Sahnehäubchen auf der Geschichte.

Die erste Folge des Hörspiels Oscar Wilde & Mycroft Holmes ist bei Lübbe Audio erschienen.

1 CD / Laufzeit 75 Minuten / Preis: 7,99 €

Eine Rezension von Liliane Mika / www.mika-media.net

 

Dörte Hansen

- Altes Land -

Gelesen von Hannelore Hoger

Als Flüchtlingskind aus Ostpreußen ist Vera Eckhoff 1945 zusammen mit ihrer Mutter im Alten Land bei Hamburg gestrandet – aber heimisch wurde sie nie. Jetzt lebt sie allein in ihrem über 300 Jahre alten Bauernhaus, in dem die Dämonen der Vergangenheit spuken und das immer mehr verfällt. Bis eines Tages zwei Flüchtlinge vor ihrer Tür stehen. Ihre Nichte Anne hat Hamburg und dem untreuen Vater ihres Kindes den Rücken gekehrt und sucht mit ihrem Sohn Leon Zuflucht auf dem Land. Und ganz allmählich findet eine Annäherung statt zwischen den beiden Außenseiterinnen mit den lädierten Seelen.

Der Roman „Altes Land“ ist frei von den üblichen Klischees. Hier gibt es keinen romantisch-verklärten Blick auf das ach so stressfreie Landleben inmitten von Wiesen und Blumen. Stattdessen schildert Dörte Hansen sehr eigenwillige, starke Charaktere und ihre lebensechten Geschichten. Es geht um Wunden, die ein kaputtes Familienleben schlägt und die auch über Generationen hinweg nicht heilen wollen, um wahre Freundschaft ohne großes Gewese und um neue Lebenskraft, die der Mut zur Veränderung mit sich bringt.

Dabei ist die Geschichte alles andere als schwermütig – ganz im Gegenteil. Man kann sich über weite Strecken köstlich amüsieren, denn der Wortwitz und der Sinn für Komik der Autorin sind gewaltig. Dörte Hansens Sprache erzeugt eine wahre Bilderflut im Kopf, und ihre Beschreibungen sind eindringlich und plastisch. Für sie hat ein Haus nicht einfach nur Fachwerkbalken, sondern graue Knochen aus verwittertem Holz, und die Schäfchenwolken sausen über den Himmel als hätten sie Termine.

‚Altes Land’ ist ein Roman der nachwirkt und an dessen Tonlage man sich lange erinnert – wie an die Geräusche in dem alten dunklen Bauernhaus.

Die Stimme von Hannelore Hoger passt sehr schön zu dieser heiter-ernsten Geschichte. Sie hat das knarzende Timbre des alten Hauses und gleichzeitig die lakonisch-ironische Distanz zu den Figuren und ihren Geschichten. Alles in allem eine sehr gelungene Interpretation.

Die gekürzte Lesung von Dörte Hansens „Altes Land“ ist bei Random House Audio erschienen.

4 CDs / Laufzeit: 5 Std. 13 Min. / Preis: €16,99

Das gebundene Buch ist im Knaus Verlag erschienen.

288 Seiten / Preis: €19,99

Eine Rezension von Liliane Mika

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Peter Hoeg

- Der Susan Effekt -

Gelesen von Sandra Schwittau

Die dänische Physikerin Susan Svendson verfügt über eine ganz besondere Gabe – alle Menschen, die ihr begegnen, geben ihre Geheimnisse preis, ob sie wollen oder nicht. Aber diese Gabe hat auch ihre Schattenseiten. Als Susan auf Geheiß eines Ministers versucht, einem Gremium von Zukunftsforschern Informationen zu entlocken, geraten sie und ihre Familie in höchste Gefahr. Ein Gremiumsmitglied nach dem anderen wird auf brutale Weise ermordet und die Killer trachten auch Susan und ihrer Familie nach dem Leben. Die Hintermänner dieses Mordkomplotts gehören zur politischen Elite des Landes und Susan wird klar, dass sie einer gigantischen Verschwörung auf der Spur ist.

Nach „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ präsentiert Peter Hoeg wieder einen Roman mit einer sehr eigenwilligen Heldin. Susan ist der Typus der starken Frau in Reinkultur: erfolgreiche Wissenschaftlerin – Intelligenzbestie – perfekte Hausfrau und Mutter mit gesundem sexuellen Appetit und brachial, wenn sie körperlich attackiert wird. Ganz selbstverständlich schwingt sie das Brecheisen und setzt Männer mit einem Griff in die Genitalien schachmatt. Kurz – ein Superweib – grimmig und entschlossen. Und das muss sie auch sein, denn die Aufgaben, die sie zu bewältigen hat, wären eines James Bond würdig.

Mit dem ‚Susan Effekt’ erweist sich Peter Hoeg einmal mehr als Meister des etwas überdrehten Thrillers mit leichtem Hang zur Esoterik und einer Vorliebe für Verschwörungstheorien. Seine Erzählkunst und der rasante Stil ziehen den Hörer in den Bann. Seine Figuren sind witzig, listig, schräg und vor allem sehr intelligent. Wer also gut geschriebene, spannende Unterhaltung sucht und sich nicht an drastischen Mordmethoden stört, ist mit dem ‚Susan Effekt’ bestens bedient.

Sandra Schwittau gelingt es, mit ihrer leicht rauen Stimme und distanzierten Ansprechhaltung den spröden Charme und den Witz der Ich-Erzählerin Susan einzufangen, aber auch ihrem Zynismus und ihrer Härte Ausdruck zu verleihen.

Ihre Interpretation passt exzellent zu dieser Figur.

Die ungekürzte Lesung ist im Hörverlag erschienen.

9 CDs, Laufzeit: 11 Std. 47 Min., Preis: 20,99 €

Das Buch ist im Hanser Verlag erschienen.

398 Seiten, Preis: 21,90 €

Eine Rezension von Liliane Mika

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Martin Walker

- Provokateure -

Der siebte Fall für Bruno Chef de Police

Gelesen von Johannes Steck

Es gießt in Strömen als Bruno im Morgengrauen am Rande des Städtchens Saint-Denis eine übel zugerichtet Leiche findet. Der Körper des Mannes weist eindeutige Folterspuren auf. Schnell stellt sich heraus, dass der Mann ein Undercover Agent war.

Er spionierte in einer Moschee im benachbarten Toulouse, die unter dem Verdacht steht, junge Muslime zu radikalisieren. Sein Tod war offensichtlich eine Racheaktion von Dschihadisten.

Während Bruno den Fall untersucht, erhält er die Nachricht, dass auf einer französischen Militärbasis in Afghanistan ein verstörter junger Mann aufgetaucht ist. Er will zurück nach Hause, zurück ins Perigord, zurück nach Saint-Denis. Bruno kommt nun die Aufgabe zu, den jungen Afghanistan-Heimkehrer zu beobachten und herauszufinden, ob er Freund oder Feind ist. Denn nur eins ist klar: Auch er hat die Schule in jener Moschee besucht, die der getötete Agent im Visier hatte.

Der siebte Fall aus der beliebten Krimreihe ‚Bruno-Chef de Police’ ist so aktuell und politisch wie noch nie. Noch vor dem furchtbaren Anschlag auf die Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ wollte Martin Walker zeigen, dass Europa keine Insel der Glückseligen ist - dass die Probleme der muslimischen Welt nicht weit weg sind. Aber leider ist die Geschichte etwas überfrachtet. Walker verquickt islamistischen Terror, die Rettung eines jüdischen Geschwisterpaares vor den Nazi-Schergen und eine Liebesaffäre Brunos` zu einer etwas verquasten Geschichte. Dabei büßt der Roman trotz aller Realitätsnähe ein Stück Glaubwürdigkeit ein und die Figuren wirken streckenweise stereotyp.

„Provokateure“ ist alles in allem kein großer Wurf. Echte Bruno-Fans werden trotzdem auf ihre Kosten kommen - nicht zuletzt wegen der Gaumenfreuden aus Topf und Pfanne, die es zum Nachkochen gibt.

Die angenehme Stimme und die unaufgeregte Interpretation von Johannes Steck macht es dem Hörer leicht, ihm durch die Geschichte zu folgen. Durch ihn werden manche inhaltliche Schwächen abgefedert.

„Provokateure“ ist als ungekürzte Lesung im Diogenes Verlag erschienen.

8 CDs

Spieldauer: 640 Minuten

Preis: 24,90 €

 

Auch das Buch ist im Diogenes Verlag erschienen.

426 Seiten

Preis: 23,90€

Eine Rezension von Liliane Mika

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Carlo Fruttero & Franco Lucentini

- Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz -

Gelesen von Sophie Rois

David Asher Silvera ist nirgendwo zu Hause. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Reiseleiter – ein Beruf, der so gar nicht zu ihm passt. Das findet zumindest die römische Principessa, die ihn inmitten seiner Reisegruppe auf dem Flug nach Venedig beobachtet. An diesem trüben Novembertag ist sie beruflich unterwegs, um für ein Auktionshaus eine Gemäldesammlung zu taxieren. Dass sie dabei Interesse an dem Reiseleiter zeigt, ist nicht von Bedeutung – es verkürzt nur die öde Reisezeit – sonst nichts.

Als sie am nächsten Tag in Venedig lustlos ihrer Arbeit nachgeht, hat sie den Mann aus dem Flugzeug schon fast vergessen – bis er plötzlich vor ihr steht. Magisch von ihm angezogen, lässt sie sich auf eine stürmische Liebesaffäre mit ihm ein, ohne zu wissen, warum. Sie akzeptiert einfach, dass Silvera nicht zu ihren Kreisen gehört und auch sonst ganz anders ist als andere Männer – geheimnisvoll, unnahbar und dennoch von ungeheurer Präsenz. Aber ihre Verwunderung wächst, als sie durch seine ausgezeichnete Kenntnis alter Gemälde einem raffinierten Gemäldeschmuggel auf die Spur kommt.

Wer ist ihr Liebhaber wirklich? Warum deutet er ständig an, Venedig jederzeit verlassen zu müssen?

‚Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz’ ist die schönste und eindringlichste Geschichte des Autoren-Duos Fruttero & Lucentino und wurde vom Steinbach Verlag zu Recht in die Edition der auserlesenen Werke aufgenommen. Der Roman ist Krimi und Liebesgeschichte in einem – spannend, anrührend, komisch, tragisch. Sehr schnell entwickelt die Geschichte einen Sogcharakter und ist trotz ihrer melancholischen Grundstimmung nie deprimierend. Die fein gezeichneten Figuren wirken sehr lebensnah, und in der Manier griechischer Dramen steigt die Spannung kontinuierlich bis zu dem unausweichlichen Ende. Ein wunderbares Buch.

Ein Wermutstropfen ist allerdings die Interpretation von Sophie Rois. Ihre heisere, teilweise krächzige Stimme ist sehr gewöhnungsbedürftig. Außerdem verwechselt der Star der Berliner Theaterszene an einigen Stellen das Mikrofon mit der Bühne. Dass wirkt manieriert und tut dem Fortlauf der Geschichte nicht eben gut.

„Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz“ ist bei steinbach sprechende bücher erschienen.

5 CDs

Laufzeit: 404 Minuten

Preis: € 19,99

Die Taschenbuchausgabe ist im Piper Verlag erschienen.

Preis: € 9,99

Eine Rezension von Liliane Mika

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David Lagercrantz

nach Stieg Larsson

Verschwörung“

- Gelesen von Dietmar Bär -

Starreporter Mikael Blomkvist steckt in einer tiefen Schaffenskrise. Seine Tage als großer Enthüllungsjournalist scheinen gezählt; auch sein berühmtes Magazin Millennium dümpelt vor sich hin und droht, von einem großen Verlag geschluckt zu werden. Den Kontakt zu seiner ehemaligen Mitstreiterin, der Hackerin Lisbeth Salander,

hat er schon vor langer Zeit verloren. Aber die Wege des ungleichen Duos kreuzen sich erneut, als Frans Balder, ein weltbekannter Spezialist für künstliche Intelligenz, ermordet wird. Balder, der auch in Kontakt zu Lisbeth Salander stand, wollte Blomkvist brisante Informationen zukommen lassen. Nun versuchen Blomkvist und Salander gemeinsam die Hintergründe dieses Mordes aufzuklären. Die Spur führt zu einem amerikanischen Softwarekonzern, der eng mit der NSA verknüpft ist. Außerdem stellt sich heraus, dass der autistische Sohn Balders in Lebensgefahr schwebt. Er verfügt nämlich nicht nur über eine außergewöhnliche mathematische Begabung, sondern auch über ein fotografisches Gedächtnis und hat den Mörder gesehen ...

Darf man das Werk eines toten Autors einfach fortführen? Wäre das in seinem Sinn, auch wenn er selbst an eine Fortsetzung gedacht hatte? Lange bevor David Lagercrantz auch nur den ersten Satz des Buches geschrieben hatte, gab es um die Fortsetzung der Trilogie von Stieg Larssons ‚Millennium’ heftige Auseinandersetzungen. Larssons Lebenspartnerin und seine Fans liefen Sturm, Feuilletonisten sprachen von einem Sakrileg, und ein dänischer Autor rief zum Boykott des Buches auf. Freilich ohne Erfolg. Das Buch wurde geschrieben und hat es binnen weniger Wochen an die Spitze der Bestsellerlisten geschafft.

Und wirklich verwunderlich ist das nicht. Wenn der Roman auch bei weitem nicht die politische Aussagekraft seiner Vorgänger erreicht, so ist er doch handwerklich ganz ordentlich, und alle bekannten Versatzstücke der ‚Millennium Trilogie’ sind vorhanden. Das schräge Duo Blomkvist/Salander, das Ermittlerteam um Kommissar Bublanski, klar umrissene Feindbilder, physische Höchstleistungen und sexuelle Gewaltakte. Das alles wird von Lagercrantz zu einer Geschichte verwoben, der es nicht an Spannung mangelt und der man über weite Strecken auch gerne folgt. Allerdings ist es ermüdend ellenlang von der neuesten Software, dem Stand der Sicherheitstechnik, psychischen Störungen und den üblen Machenschaften im Verlagswesen zu hören. Aber alles in allem ist der Roman von David Lagercrantz passabel – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Wie schon bei den ersten drei ‚Millennium’ Bänden versteht es Dietmar Bär auch diesmal, den Hörer vom ersten Moment an zu fesseln. Die unaufgeregte und dennoch sehr pointierte Spreche verleiht den Figuren Charakter, ohne sie zu überfrachten. Mit ungeheurer Präzision erfasst er jede Stimmungslage. Seine Interpretation bügelt so manche inhaltliche Schwachstelle aus, und es ist ein Genuss, ihm durch die Geschichte zu folgen.

Die gekürzte Lesung ist bei Random House Audio erschienen.

2 mp3-CD’s

Laufzeit: 9 Std. 10 Min.

Preis: € 19,99

 

Das Buch ist im Heyne Verlag erschienen

Gebunden 608 Seiten

Preis: € 22,99

Eine Rezension von Liliane Mika

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Elisabeth George

Ein Inspector-Lynley-Roman

„Nur eine böse Tat“

- Gelesen von Stefan Wilkening -

Der pakistanische Nachbar und Freund von Sergeant Barbara Havers ist tief verzweifelt. Seine kleine Tochter Hadiyyah und ihre Mutter Angelina sind spurlos aus der gemeinsamen Wohnung verschwunden. Erst kurze Zeit zuvor war Angelina nach Jahren der Abwesenheit wieder aufgetaucht und hatte Azhar und ihrer Tochter ein heiles Familienleben vorgegaukelt, nur um dann endgültig mit Hadiyyah zu verschwinden. Aber Azhar kann nichts tun als warten, denn rein rechtlich sind ihm die Hände gebunden. In dieser Situation bittet er Barbara Havers um Hilfe – mit ungeahnten Konsequenzen. Sergeant Havers hat sich bei ihren Ermittlungen mit Inspector Lynley noch nie streng an die Buchstaben des Gesetzes gehalten, doch diesmal riskiert sie Kopf und Kragen, um ihrem Freund Azhar zu helfen, und sie geht zu weit ...

In ihrem 18. Fall schickt Elisabeth George ihr Ermittlerduo Lynley/Havers in die Toscana – genauer gesagt, in das kleine Städtchen Lucca. Und dieser neue Schauplatz wäre auch wunderbar, gäbe es da nicht zu viele Nebenschauplätze. Die Handlungsstränge der Geschichte sind teilweise zu verquast und weitschweifig und vernebeln den Blick auf das eigentliche Geschehen. Dass bei diesem Fall seit Langem wieder einmal Barbara Havers im Mittelpunkt steht, ist sehr zu begrüßen, aber ihr Aktionismus wirkt an vielen Stellen überzogen und unglaubwürdig. Kein Mensch, der einigermaßen bei Verstand ist, würde sich in ein solches Schlamassel hinein manövrieren – geschweige denn, wieder herauskommen.

Dagegen wirkt Inspector Lynley etwas blass, und sein Konflikt zwischen Gesetzestreue und dem Wunsch, Havers zu helfen, wurde bereits in einigen Vorgänger-Romanen thematisiert. Insgesamt hätte dem Roman eine Straffung sehr gut getan.

Aber trotz dieser Schwächen bietet die Handlung einige Überraschungsmomente und unerwartete Wendungen. Es gelingt Elisabeth George diesmal wieder, die Spuren und Strukturen des Verbrechens im alltäglichen Leben aufzuspüren und das Seelenleben und die Schicksale ihrer Figuren genau auszuloten.

Und sehr zur Freude der eingefleischten Lynley/Havers-Fans kommt auch diesmal das Privatleben der Protagonisten nicht zu kurz. Barbara Havers wird zum ersten Mal von einem Mann bewundert und bei Thomas Lynley bahnt sich eine neue Beziehung an. Man darf auf den nächsten Roman gespannt sein ...

Stefan Wilkening hat die Mammutaufgabe, diesem Buch eine Stimme zu verleihen, mit Bravour gemeistert. Trotz der Längen des Textes wird man nicht müde, seiner Interpretation zu folgen. So vergehen selbst 27 Stunden wie im Flug.

Die ungekürzte Lesung ist jetzt im Hörverlag erschienen

3 MP3 –CDs

Laufzeit: 1.625 Minuten

Sonderpreis: € 9,99

Das Buch ist gebunden und als Taschenbuch im Goldmann Verlag erhältlich.

Eine Rezension von Liliane Mika

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Caroline Graham

3 x Inspector Barnaby

 

- Gelesen von Frank Arnold -

Fall I „Die Rätsel von Badger’s Drift“

Der Wunsch, ihre alte Freundin zu übertrumpfen, wird der 80-jährigen Emily Simpson zum Verhängnis. Auf der Suche nach einer besonderen Orchidee macht sie im Wald eine schockierende Entdeckung - kurze Zeit darauf wird sie tot aufgefunden. Alle gehen von einer natürlichen Todesursache aus - nur ihre alte Freundin nicht. Sie überzeugt Inspector Barnaby, den Fall unter die Lupe zu nehmen, und schon bald zeigen sich die ersten Ungereimtheiten. Die biedere Fassade des verschlafenen Dorfes Badger’s Drift bekommt Risse.

Fall II „Requiem für einen Mörder“

Es ist leider kein Theaterblut, was da bei der Premiere von „Amadeus“ fließt. Der Salieri-Darsteller hat sich vor den Augen der völlig entsetzten Zuschauer tatsächlich die Kehle durchschnitten. Jemand muss vor der Aufführung das Klebeband von dem Rasiermesser entfernt haben. Inspector Barnaby wird schnell klar, dass jeder aus dem Ensemble ein Motiv hat, den Schauspieler zu töten.

Fall III „ Ein böses Ende“

Es ist eine skurrile Gemeinschaft, die im ehemaligen Herrenhaus von Compton Dando residiert. Diese New-Age-Jünger mit ihrer Verbundenheit zu entfernten Planeten und dem Glauben an Geister sind den Dorfbewohnern äußerst suspekt. Und so ist auch niemand wirklich überrascht, als ein Mitglied der Kommune tot aufgefunden wird. Nichts desto trotz wird die öffentliche Untersuchung durch den Coroner mit Spannung erwartet. Aber sehr zu ihrem Leidwesen wird die Sensationsgier der Dörfler nicht befriedigt, denn offensichtlich war der Treppensturz ein Unfall. Dagegen handelt es sich bei dem neuerlichen Todesfall im Herrenhaus eindeutig um Mord, und Inspector Barnaby fällt es nicht leicht, die Hintergründe aufzudecken. Aber eines steht fest - sie haben so gar nichts mit Esoterik zu tun.

 

In den Büchern von Caroline Graham scheint ‚Good old England’ noch lebendig zu sein, denn in den Dörfern hält man sehr auf Tradition und Gemeinschaft, auch wenn es in vielen Fällen nur Fassade ist. Dahinter lauern Missgunst, Betrug, Eifersucht, Habgier, Hass und Mord. Caroline Graham ist eine Meisterin darin, das Leben in all seinen Facetten zu beschreiben. In einer schönen Sprache entwirft sie ausgeklügelte Plots und erzählt wie nebenbei von kleinen und großen Gemeinheiten und tiefsten Abgründen. Ihre Figuren erscheinen oft so erschreckend normal, auch wenn sie sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen oder Morde am laufenden Band begehen.

Aber wer Inspector Barnaby hört, denkt auch sofort an die Serie im ZDF. Schon seit Jahren ermittelt der schrullige Beamte, den kaum etwas aus der Ruhe zu bringen scheint, mit wechselnden Assistenten in den Dörfern der Grafschaft Midsomer. Und so es bleibt auch nicht aus, dass man den altgedienten John Nettles in der Rolle von Inspector Barnaby vor Augen hat, wenn man die Geschichten hört. Aber im Gegensatz zu den Figuren in der Serie haben die Charaktere der Bücher mehr Tiefgang. Mrs. Barnaby ist z.B. keine kleine graue Maus und hat auch wesentlich mehr im Kopf als Haushalt und Dorfangelegenheiten. Als ehemals sehr erfolgreiche Sängerin geht sie ihrer Profession auch weiterhin nach und bietet ihrem Gatten oft Paroli. Auch die Tochter ist wesentlich aufmüpfiger und selbstbewusster als im Film. Und Sergant Troy ist nicht der tapsige, gutmütige Assistent mit den miserablen Fahrkünsten, sondern ein selbstgerechter Cop mit Machogehabe.

Die Interpretation von Frank Arnold passt wunderbar zu den Geschichten mit dem typisch britischen Flair. Sein leichter Plauderton erweckt den Anschein von Normalität, wodurch die Handlungen teilweise noch abstruser und bedrohlicher erscheinen - und die zuweilen beißende Ironie unterstreicht den perfiden Charakter mancher Figuren. Insgesamt sehr gelungen.

Die drei Hörbücher aus der Inspector Barnaby Reihe sind als gekürzte Lesungen im AUDIOBUCH Verlag erschienen:

„ Die Rätsel von Badger’ s Drift“

6 CDs

Laufzeit 433 Minuten

Preis: € 19,95.-

„ Requiem für einen Mörder“

6 CDs

Laufzeit 450 Minuten

Preis: € 19,95.-

„Ein böses Ende“

6 CDs

Laufzeit: 447 Minuten

Preis: € 19,95.-

Die Taschenbücher zu der Reihe sind im Goldmann Verlag erschienen.

Eine Rezension von Liliane Mika

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Heinrich Mann

Der Untertan

Im Mittelpunkt des satirischen Romans von Heinrich Mann steht der Fabrikantensohn Diederich Heßling, dem seine Treue zu Kaiser und Vaterland über Alles geht. Er ist der geborene Untertan. Ein wohl situierter Stammtischagitator – nationalistisch, obrigkeitshörig, engstirnig, großspurig und feige. Seine mit großem Pathos verkündeten Ansichten und Lebensweisheiten stehen im krassen Widerspruch zu seinem eignen Leben, das von Feigheit, Bösartigkeit und Doppelmoral geprägt ist. Gleichzeitig spiegeln seine verbalen Ergüsse den Geist seiner Zeit wider und sind ein Abbild der Stimmung in Deutschland am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Wie im richtigen Leben gehen auch in dem Roman der Aufstieg des Deutschnationalen und der Abstieg des Bürgerlich-Liberalen Hand in Hand. Die Figur des Diederich Heßling symbolisiert den moralischen Verfall auf dem Weg zur Macht.

Der Roman „Der Untertan“, den Kurt Tucholsky als ‚Herbarium des deutschen Mannes’ bezeichnete, entstand zwischen 1906 und 1914 und gilt als eines der großen Werke des 20 Jahrhunderts.

Der Schauspieler Hans Korte hat Heinrichs Manns „Untertan“ bereits 1989 in einer Produktion des Norddeutschen Rundfunks als Hörbuch aufgenommen. Jetzt wurde die ungekürzte Lesung vom Hörverlag wieder veröffentlicht. Kortes Interpretation ist packend, plastisch und ungemein präzise. Er trifft immer den richtigen Ton und hat ein ausgeprägtes Gespür für die spannenden Momente. Eine rundum großartige, fesselnde Lesung.

 

Heinrich Mann „Der Untertan“ gelesen von Hans Korte ist als vollständige Lesung im Hörverlag erschienen.

 

Preis: 24,95 €

Eine Hörbuchrezension von Liliane Mika



Martin Suter

„Die dunkle Seite des Mondes“

- Gelesen von Gert Heidenreich -

Als Wirtschaftsanwalt und Fachmann für Fusionsverhandlungen hat Dr. Urs Blank gelernt, seine Gefühle unter Kontrolle zu halten und die Schwächen der Anderen zu nutzen. Mit seinen fünfundvierzig Jahren hat er es beruflich weit gebracht, und auch privat scheint alles im Lot. Nach einer Ehe, die er, genau wie eine aufkeimende Midlife-Crisis, ohne große Blessuren hinter sich gebracht hat, führt er ein wohlgeordnetes Leben mit der Besitzerin eines Design-Ladens. Alles ist arrangiert und perfekt, dennoch quält ihn ein merkwürdiges Unbehagen. Irgendetwas stimmt nicht, ohne dass er es benennen könnte. Aber es ist sicher ein Grund dafür, warum ihn das junge Hippie-Mädchen Lucille Roth so anzieht, obwohl sie ein gänzlich anderes Leben führt. Plötzlich findet sich der Staranwalt mit seinen Maßanzügen und dem teuren Wagen zwischen Räucherkerzen und Flohmarkständen wieder. Und auch in die Welt der Drogen führt ihn Lucille ein - mit fatalen Folgen. Der Genuss von halluzinogenen Pilzen wird Urs Blank zum Verhängnis und führt zu einer gefährlichen Veränderung seiner Persönlichkeit. Durch den Trip fühlt er sich omnipotent. Er gibt jeder Laune nach und wird unberechenbar und gewalttätig. Als er begreift, dass niemand in der Lage ist, ihn von diesem Gefühlschaos zu befreien, flieht er in den Wald. Aber der Versuch, hier zur Ruhe zu kommen, scheitert und in ihm reift die Erkenntnis, dass es nur einen Weg aus diesem Alptraum gibt.

“Die dunkle Seite des Mondes“ ist eine grandios erzählte Geschichte, eine Phantasmagorie - realistisch und phantastisch zugleich. Die virtuos gestaltete Handlung bedient sich ebenso klassischer Symbolik wie Stilmitteln der Romantik. Wie die Figuren in Geschichten von ETA Hoffmann erlebt auch Suters Urs Blank die Folgen einer Verunsicherung der scheinbar so festgefügten Außenwelt. Er begreift, wie wenig nötig ist, das ganze bisherige Leben mit all seinen Konstrukten und Wahrheiten zusammenbrechen zu lassen. Dennoch ist die Geschichte nicht düster, sondern spannend. Hervorragend recherchiert und humorvoll erzählt entwickelt sie sich zu einem Wirtschaftskrimi, dessen Ende ebenso überraschend wie stimmig ist. Wer bereit ist, Martin Suter auf die dunkle Seite des Mondes zu folgen, den erwartet ein phantastischer Trip.

Die Stimme von Gert Heidenreich erweist sich als wunderbarer Begleiter auf dieser Reise. Das dunkle Timbre und die hervorragende Interpretation entführen den Hörer mühelos in diese phantastisch-realistische Welt. Ein Hörerlebnis der besonderen Art - aufregend und entspannend zugleich.

Eine Rezension von Liliane Mika

 

Andrea Camilleri

„Das Spiel des Poeten“

Commissario Montalbano liest zwischen den Zeilen

-Gelesen von Bodo Wolf-

Ein greises Geschwisterpaar, das im religiösen Wahn Amok läuft und wild auf Passanten schießt, unterbricht die öde Routine, die sich im Kommissariat von Vigata breit zu machen droht. Als Commissario Montalbano mit seinen Kollegen die Wohnung der Geschwister stürmt, entdeckt er neben Unmengen an Kruzifixen auch eine arg malträtierte Gummipuppe im Bett des alten Mannes. Sie ist am ganzen Körper mit Heftpflastern übersät und eine Brust ist eingedrückt. Kurze Zeit später wird in einem Müllcontainer eine zweite Gummipuppe mit identischen Blessuren gefunden. Zur gleichen Zeit erhält Montalbano ein erstes anonymes Briefchen.

„Das Spiel des Poeten“ ist der sechzehnte Fall für Commissario Montalbano und einer seiner schwärzesten. Da ist zunächst der bizarre Fall von religiösem Wahn mit offenkundig sexuellen Komponenten und gleichzeitig das abstruse Spiel eines anonymen Schreibers, der den Commissario zu einer makabren Schatzsuche auffordert und seine kryptischen Botschaften in Reimform verfasst. Anfangs nimmt Montalbano die Botschaften nicht ernst und versucht mehr aus Langeweile, denn aus wirklichem Interesse, die Identität des Verfassers zu ermitteln. Aber ihm wird sehr schnell klar, dass er es mit einem hochintelligenten Psychopathen zu tun hat, der als perfider, grausamer Frauenmörder sein Unwesen treibt.

Die Verquickung dieser beiden Handlungsstränge macht die Atmosphäre in dem Roman düster und verstörend, aber gleichzeitig hoch spannend. Camilleri gelingt es auf wunderbare Weise, den Spannungsbogen bis an die Grenze zu steigern. Der Hörer gerät, genau wie der Commissario, in den Sog der Ereignisse und wird mitgerissen – ob er nun will oder nicht. Es ist unmöglich, sich dem Thrill zu entziehen. Aber wie immer bei Camilleri kommt auch diesmal der Humor nicht zu kurz. Die Szenen, in denen Montalbano schamvoll versucht, die beiden konfiszierten Gummipuppen vor den neugierigen Blicken seiner Haushälterin zu verbergen, sind wirklich sehr komisch.

Und wie schon bei anderen Montalbano-Geschichten schafft es der Sprecher Bodo Wolf mit seiner großartigen Interpretation auch hier, den Figuren Leben einzuhauchen und den Roman zu einem Hörerlebnis zu machen. Es entsteht Kino im Kopf – und was will man mehr.

Das Hörbuch ist in einer bearbeiteten Fassung bei Lübbe Audio erschienen.

4 CDs

Eine Rezension von Liliane Mika

 

Volker Klüpfel und Michael Kobr

„Grimmbart“

Kommissar Kluftingers achter Fall

- Gelesen von den Autoren und Christian Berkel -

Es ist ein grotesker, schauerlicher Anblick, der sich Kommissar Kluftinger mitten in der Nacht auf dem Schloss in Bad Grönenbach bietet. Die Baronin wurde brutal ermordet und ihre Leiche wie auf einem uralten Gemälde aus der Ahnengalerie drapiert. Das Originalbild ist verschwunden, und es erhärtet sich der Verdacht, dass der Mord im Zusammenhang mit einem dunklen Familiengeheimnis steht. Warum sonst sollte der völlig verstörte Baron immer wieder im schlosseigenen Märchenwald verschwinden?

„Grimmbart“ ist der bisher düsterste Fall des kauzigen Allgäuer Kommissars und gleichzeitig auch einer der komischsten. Hier ist dem Autorenduo der Balanceakt zwischen perfektem Krimi und hintergründigem Humor bestens gelungen. In dem finsteren Schloss mit seinem morbiden, halb verfallenen Märchenwald lauert das Böse hinter jeder Ecke und das furchtbare Familiengeheiminis erstickt jedes normale Leben. Es herrscht eine Atmosphäre wie in den Gruselgeschichten aus Kindertagen - bedrohlich, schaurig und spannend. Denn kaum hat man einen Verdächtigen ins Auge gefasst, nimmt der Fall eine überraschende Wendung und das Rätselraten beginnt von vorn. Bis zu seinem Ende ist der Fall undurchschaubar und aufregend. So muss Krimi sein.

Gleichzeitig liefert das Privatleben des Kommissars viel Grund zur Erheiterung. Zur Hochzeit seines Sohnes haben sich die Schwiegereltern aus Japan angekündigt und Kluftingers stieselige Versuche, eine Brücke zwischen den Kulturen zu schlagen, sind einfach nur grotesk. Auch die Begegnung mit seiner neuen Chefin Birte Dombrowski entbehrt nicht einer unfreiwilligen Komik. Diesmal lässt der Kommissar wirklich kein Fettnäpfchen aus und versinkt gleich bis zum Hals darin.

Auch den achten Fall von Kommissar Kluftinger lesen die Autoren Klüpfel und Kobr wieder selbst und werden dabei von dem Schauspieler Christian Berkel unterstützt.

Der Allgäuer Dialekt der Autoren macht die Dialoge lebensecht und bildet den perfekten Kontrast zu der eher kühlen Stimme des Erzählers. Ein grandioses Sprecher-Trio.

Eine Rezension von Liliane Mika

 

Dorothy L. Sayers

Vier Fälle für Lord Peter

- Kriminalhörspielreihe in zwei Boxen -

Egal, ob es um eine entstellte Leiche am Strand, eine schaurige Todeskutsche, einen dubiosen Forscher mit einem dunklen Geheimnis, die mysteriösen Vorgänge in einem alten Haus oder um einen Under-Cover-Einsatz bei einer gefährlichen Diebesbande geht, stets ist Lord Peter Wimsey zur Stelle.

Dieser berühmte Detektiv aus der Feder von Dorothy L. Sayers betrat Mitte der 20-er Jahre die Bühne der Literatur. Dieser scharfsinnige Aristokrat und Lebemann ist der Inbegriff des vollendeten Gentleman - sehr gebildet, feinsinnig, humorvoll, sportlich und mit einem untrüglichen Sinn für Anstand und Gerechtigkeit. Ausgestattet mit einer im wahrsten Sinne des Wortes hervorragenden Nase sammelt er neben Erstausausgaben auch Kriminalfälle. Acht seiner Fälle liegen jetzt in einer Hörspielreihe des MDR vor. In dieser Produktion sind neben Peter Fricke als Lord Peter Wimsey viele andere beliebte Stimmen zu hören, so z.B. Conny Wolter, Dieter Bellmann, Felix von Manteuffel und Siegfried Voß.

Die beiden Boxen mit der gesamten Hörspielreihe erscheinen im Audiobuch Verlag und sind ab Juli im Handel erhältlich. Sie enthalten jeweils vier Kurzkrimis:

'Das Spukhaus in Merriman's End', 'Der Pfirsichdieb', 'Die Weinprobe' und 'Die geheimnisvolle Entführung'.

'Der Mann ohne Gesicht', 'Der Zank um den Knochen', 'Das Bild im Spiegel' und in 'In Ali Babas Höhle'. Sie zu hören, ist ein wahrer Ohrenschmaus.

Audiobuch Verlag

4 Audio CDs pro Box

Laufzeit: 189 Minuten / bzw. 208 Minuten

Preis pro Box: 19,95 €

Eine Rezension von Liliane Mika

 

Sophie Hannah

Die Monogramm Morde

Ein neuer Fall für Hercules Poirot

Gelesen von Wanja Mues

Drapiert wie für ein Gemälde werden im vornehmen Londoner Bloxham Hotel drei Leichen gefunden. Alle trafen am gleichen Tag im Hotel ein und alle starben fast zeitgleich an Gift. Aber wer inszenierte diese Morde und warum befinden sich im Mund der Toten Manschettenknöpfe? Hier sind eindeutig die kleinen grauen Zellen des altbekannten belgischen Meisterdetektivs Hercules Poirot gefragt. Erstmals haben die Erben von Agatha Christie der Veröffentlichung eines neuen Hercules Poirot-Krimis zugestimmt. Nach ihren Vorgaben machte sich die britische Thrillerautorin Sophie Hannah daran, die beliebte Krimifigur neu in Szene zu setzen. Aber obwohl alle Versatzstücke einer guten Hercules Poirot-Story vorhanden sind - ein verzwickter Fall, die kleinen grauen Zellen, die Überheblichkeit des Meisterdetektivs und der begriffsstutzige Assistent – fehlt den Monogramm-Morden von Sophie Hannah das gewisse Etwas. Dieses Etwas, das Agatha Christie-Geschichten so unverwechselbar macht. Die Kunst, mit wenigen Worten den Charakter einer Figur zu zeichnen, der stetig steigende Spannungsbogen und der ebenso einfache wie geniale Plot. Dennoch bereitet es durchaus Vergnügen, die Auflösung des neuen Falles zu verfolgen; und das liegt nicht zuletzt an der wunderbaren Interpretation von Wanja Mues. Seine Stimme haucht Hercules Poirot neues Leben ein. Man hat das Gefühl, einen alten Bekannten wieder zu hören; samt Schnurrbart und Akzent.

„Die Monogramm – Morde“ von Sophie Hannah sind als ungekürzte Lesung im Hörverlag erschienen.

Preis: D 19,99 €/ A 22,50€/ CH 29,90sFr (UVP)

Eine Rezension von Liliane Mika

 

 

Michael Ende

Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch

-Gelesen von Christoph Maria Herbst-

In einer eiskalten, stürmischen Silvesternacht treffen sich der bösartige Zauberrat Beelzebub Irrwitzer und seine hinterhältige Tante, die Geldhexe Tyrannja Vamperl, in einem einsamen Haus. Es sind nicht etwa verwandtschaftlichen Gefühle, die sie zusammenbringen, sondern die blanke Angst. Sie haben nämlich ihr Soll an bösen Taten für dieses Jahr noch nicht erfüllt und nun drohen ihnen, im wahrsten Sinne des Wortes, höllische Strafen. Um dem zu entgehen, schmieden sie einen fiesen Plan – gemeinsam wollen sie einen Silvesterpunsch der ganz besonderen Art brauen. Ein Plan, der dem völlig zerrupften, schlauen Raben Jakob und seinem Verbündeten, dem naiven Kater Maurizio di Mauro, so gar nicht gefallen will.

Dieses wohl lustigste Buch von Michael Ende ist eines der schönsten Hörbücher seit Langem. Zum 25. Geburtstag dieses Klassikers der Kinderliteratur entzündet Christoph Maria Herbst mit seiner Stimme ein wahres Feuerwerk für die Ohren. Der Charakter jeder einzelnen Figur wird auf geniale Art und Weise erfasst. Selten war ein Zauberer gemeiner und eine Hexe auf überdrehte Art verlogener und hinterlistiger. Nie das Krächzen eines stets genervten, lebensklugen Raben und die maunzende Sprechweise einer eitlen naiven Katze authentischer. Man sieht Szene für Szene vor sich - wie im Kino. Bei dieser Produktion bleiben keine Wünsche offen und kein Auge trocken - vor Lachen. Ein Fest für die Ohren - nicht nur für Kinder.

„Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ von Michael Ende ist im Silberfisch Hörbuch Verlag erschienen zum Preis von 19,90 €.

 

Eine Rezension von Liliane Mika

 

Anne Fine

Tagebuch einer Killerkatze

- Gelesen von Mechthild Großmann -

Katze Kuschel ist genervt - jedes Mal, wenn sie ihren Instinkten folgt, gibt es Ärger – niemand weiß ihre Geschenke zu würdigen – ganz im Gegenteil. Die kleine Ellie bricht ständig in Tränen aus, wenn sie morgens auf der Fußmatte oder dem Wohnzimmerteppich ihre Gaben findet. Dabei hat sie sich doch so viel Mühe gegeben und kann das Gezeter um die tote Maus oder den kleinen toten Vogel nicht mehr hören. Was treiben sich diese Viecher auch in ihrem Garten herum – selbst Schuld! Da muss man doch als Katze, die etwas auf sich hält, einfach zulangen – am Ende würde man sonst selbst noch verletzt – es ist sozusagen Notwehr. Die Menschen haben einfach keine Ahnung wie so ein Katzenleben funktioniert. Immer diese dämlichen Erziehungsversuche. Katze bleibt Katze und damit basta! Natürlich hat man als Katze von Welt gelernt, sich mit dieser Ignoranz abzufinden – aber diesmal sind sie wirklich zu weit gegangen. Eine arme Katze als Mörderin zu beschimpfen – das ist wirklich die Höhe. Kann sich diese Familie eigentlich vorstellen, wie viel Mühe es gekostet hat, den toten Hasen quer durch zwei Gärten zu schleppen und ihn dann auch noch durch die Katzenklappe zu bugsieren? Ok, dass es ausgerechnet Hoppel, den Hasen des Nachbarn, erwischt hat, ist natürlich Pech – aber bestimmt kein Grund, sich so aufzuregen und ein unbescholtenes Haustier zu beleidigen! ‚Hasenmörder’ – so ein Quatsch ! Das kann man keinesfalls auf sich sitzen lassen ...

Und das tut Katze Kuschel auch nicht. In ihrem Tagebuch macht sie ihrem Ärger Luft. Und was sie da zu Papier bringt, klingt wie das Plädoyer eines Verteidigers. Haarklein schildert Kuschel die Zwänge und den Stress, denen sie Tag für Tag ausgeliefert ist – wie sehr sie das Verhalten der Menschenfamilie einschränkt und sie an der freien Entfaltung ihrer Katzenpersönlichkeit hindert. Denn egal was passiert – sie ist natürlich immer vollkommen unschuldig – sie verhält sich nur artgerecht und scheitert an der Ignoranz ihrer Umwelt.

Die Britin Anne Fine hat diesen wunderbar schrägen Katzenkrimi bereits vor über 20 Jahren verfasst. Herrlich komisch beschreibt sie aus der Katzenperspektive die immer währenden Konflikte zwischen Mensch und domestiziertem Raubtier. Dabei bedient diese snobistische Katze, die das Verhalten der Menschen in ihrer Umgebung kopfschüttelnd kommentiert, wirklich alle Klischees. Sie ist launenhaft, hinterhältig, arrogant, ein bisschen bösartig und, wenn sie will, auch anschmiegsam.

Und Mechthild Großmann trifft genau den richtigen Ton für alle diese Stimmungslagen. Die Schauspielerin, die als Staatsanwältin aus dem Münsteraner Tatort bestens bekannt ist, erfasst mit ihrer tiefen Stimme jede Nuance des Charakters dieser Katze. Mal schnurrend – mal knurrend – mal einschmeichelnd – mal zutiefst empört und selbstverständlich – immer im Recht. Es ist einfach ein Genuss, ihr zuzuhören, und nicht nur Kinder und Katzenfreunde werden ihre helle Freude haben.

Die ungekürzte Lesung mit Musik ist bei Oetinger Audio erschienen.

1 CD

Laufzeit: ca. 33 Minuten

Preis: € 12,99

Für Kinder ab 6 Jahren geeignet.

Die Neuauflage des Buches mit Illustrationen von Axel Scheffler ist im Moritz Verlag erschienen.

64 Seiten

Preis: € 9,95

Ab 6 Jahre

Eine Rezension von Liliane Mika

www.mika-media.net

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